06 - 2015 Reflexionen
Ausstellungsanschicht Post 2015/2016

Teilnehmende KünstlerInnen:



Michaela Bruckmüller
Norbert Brunner
Irina Georgieva
Michela Ghisetti
Bernhard Hosa
Matthias Lautner
Gerald Moser
Thomas Riess
Martin Schnur
Thomas Thyrion

Die sechste Hängung der bäckerstrasse4 – plattform für junge kunst dreht sich passend zur Unternehmenszentrale der Post AG um Kommunikation; dieses Mal mittels Reflexion durch Spiegel oder Portrait. „Den Spiegel vorhalten“ - eine häufig verwendete Redewendung- einmal anders interpretiert.

Der Spiegel ist nicht allein Instrument der Eitelkeit, er lässt uns sehen, wie uns die Außenwelt wahrnimmt und somit ebnet die Reflexion den Weg zur Selbstreflexion.

Durch die verschiedenen Zugänge der vorgeschlagenen KünstlerInnen entstehen Arbeiten die mit den Wortbedeutungen folgender Begriffe spielen: Spiegelbild, Spiegelung und Abbild. Von Malerei über Fotografie bis hin zu Installation und Objektkunst ziehen sich die Medien der Ausstellung, die Anregung zum Nachdenken und Diskutieren bieten soll. Dieser Diskurs beinhaltet auch das Reflektieren über die Kunst an sich und die Auseinandersetzung mit der eigenen subjektiven Wahrnehmung.
Immer wieder kehrend, taucht der Spiegel in der Geschichte der Kunst als Motiv oder Werkzeug auf. Sowohl in mittelalterlichen als auch in frühneuzeitlichen Darstellungen lassen sich Spiegel-Szenen finden, die einerseits parallel Handlungsstränge aufzeigen, Protagonisten kennzeichnen oder aber den Künstler selbst zeigen. Die Thematik der Spiegelung inspirierte nicht nur Jan Vermeer oder Velazquez sondern unterzog sich in ihrer Vielschichtigkeit einem Wandel, der sich heute in Material und Motiv deutlich zeigt. Damals reichte die Symbolik von der tatsächlichen Reflexion des Spiegelbildes bishin zu Narzissmus und Vanitas, in der zeitgenössischen Kunst ist die Auseinandersetzung vermehrt eine formal- ästhetische, wie Arbeiten von Olafur Eliasson oder in dieser Ausstellung Gerald Moser oder Norbert Brunner zeigen.

Moser spielt in seinen Spiegelwerken mit Oberflächen- Verzerrung und audiovisuellen Manipulation durch eingebaute Motoren.
Als inhaltlich-formale Ergänzung dienen Irina Georgievas Portraitzeichnungen aus Tusche, die unterschiedlichste Charaktere mit einem bestimmten unbewussten aber alltäglichen Habitus aufzeigen wollen und in Kommunikation mit und in den Werken Mosers stehen. Brunner arbeite ebenso mit eingebauten Spiegeln, die er durch den Einsatz von aus Kristallen geformten Wörtern vom Nutzgegenstand zum kommunizierenden Kunstobjekt erhebt.
Eine formale Einbettung der Reflexion mittels Spiegel in einer Malerei erfährt der Betrachter in den Werken von Martin Schnur, der somit eine weitere narrative Ebene hinzugefügt wird. Schnur agiert wie der Regisseur in einem Film, indem er Szenarien erschafft und neue Wirklichkeitsfenster öffnet, meist in Kombination mit Figuren.
Nicht nur der Spiegel an sich kann Mittel zum Zweck sein,sondern auch glänzende, reflektierende Oberflächen, wie bei Jeff Koons’ Skulpturen. Dieses Mittels bedient sich auch gerne Bernhard Hosa, der bei seiner Serie „Real Measure“ die etwas andere Art eines Portraits erreichen möchte. Die interaktive Arbeit möchte mittels erwünschter Berührung Fingerabdrücke der Besucher festhalten.
Matthias Lautner hingegen greift das altmeisterliche Motiv des Selbstportraits auf und erzeugt durch das Abwenden des Gesichtes eine innere Spannung und selbstreflektierende Stimmung, die der Betrachter auch bei Thomas Thyrions Arbeiten findet. Obgleich Thyrion nicht sich selbst portraitiert, schafft er es durch die Positionierung seiner Figuren in mystisch entlegene Bildräume eine nachdenkliche, fast träumerische Stimmung. Das Motiv des Spiegels spielt also auch im theoretischen Diskurs eine wichtige Rolle. Das Erkennen des Eigenen, sowie auch die Wahrnehmung des Fremden sind Themen, die auch Michaela Bruckmüller beschäftigen. Ihre Fotografien sind einerseits Selbstportraits andererseits Aufnahmen von fremden Personen in ihren individuellen Lebensräumen.
Mit der Frage, was ein Portrait eigentlich sei, beschäftigt sich Michela Ghisetti. Die Künstlerin nennt ihre Arbeit „eine zeichnerische Beschreibung einer Begegnung“, in der Ghisetti oftmals mit Kehrseiten und Doppelportraits in positiv und negativ spielt.
Die Arbeiten von Thomas Riess bilden dazu eine schöne Ergänzung. Seine Malerei und Korrekturroller - Arbeiten erzählen von dem Sich - selbst verlieren in Raum und Zeit.
Die Beleuchtung des anderen Ichs, sowie kulturelle Differenzen und Stereotypen lassen sich in der Thematik dieser Ausstellung wiederfinden. Durch die vielseitige Motivwahl und die verschiedensten Materialien bietet diese Ausstellung einen guten Überblick über die junge zeitgenössische Kunst und ihre Reflektion über Reflexion.

Lara Starhemberg,
Kuratorin bäckerstrasse4-plattform für junge kunst
 
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